PTTRNS

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»Der Zweck der Revolution«, so wurde festgestellt, »ist die Abschaffung der Angst.« Jede Zuversicht für die Zukunft muss dabei unter den Bedingungen einer Vergangenheit verstanden werden, die auf zukünftige Möglichkeiten und Zweifel einwirkt, künftige Handlungsräume anzeigt und sich in jedes künftige Handeln als dessen Zeitlichkeit einträgt. Welche Möglichkeiten bietet Popmusik mit ihrer berüchtigten Vergangenheitsbesessenheit für den Entwurf künftiger Gemeinschaften? Wie kann Pop, ganz allgemein, helfen, darüber nachzudenken? Mit anderen Worten: Was sind die Domänen und Möglichkeiten »politischer« Kunst heute?

Diese Fragen, verstanden als Fragen nach der Zeit und Zeitlichkeit des Politischen, stehen im Zentrum von PTTRNS’ neuem Album »Material und Geschichte«, das mit Andreas Spechtl (Ja, Panik, Sleep) in einem langen Berliner Sommer 2017 aufgenommen und produziert wurde. Und wie in den bisherigen Veröffentlichungen der Band sind diese konzeptuellen Erwägungen nicht von der musikalischen Form zu trennen: Über die Laufzeit von 47 Minuten legt das Album textlich und musikalisch einen Entwurf von Zukünftigkeit vor. Diese Zukünftigkeit nimmt in den acht Stücken auf »Material und Geschichte« drei Formen an.

 

Zunächst tritt sie auf als Zeit des Spiels – eine stets neue Gegenwart, die ununterscheidbar von der Zukunft wird. Diese Ereigniszeit ist geprägt von der Körperlichkeit, die insbesondere auf den letzten Veröffentlichungen der Gruppe eine prominente Rolle gespielt hat und ihren Ruf als herausragende Liveband ausmacht: die Jam-basierte, funky Dimension ihres Sounds. Zweitens wird Zeit als eine Zeit der Wiederholung eingeführt: eine exzessive Zeit, die selbst aus der Zukunft kommt und in ihrer Überschreitung der materialen Gegenwart diese in die Zukunft faltet. Diese Wiederholung, gleichermaßen mit Formbewußtsein und Expressivität realisiert, ruft eine musikalische Tradition auf, die auf den unglücklichen Namen »Krautrock« hört. Drittens als eine technologische Unzeit oder contretemps, wie ein Songtitel lautet: Als Zeit der produktiven Intervention bzw. des Dubs, der das Album auf seine freiesten Momente hin öffnet und, im Verweis auf das Material, die zeitliche Enthebung der Hörer_innen thematisiert, die zugleich immer auch eine Zeit des Handelns ist.

Textlich sprechen PTTRNS mit einer kollektiven Stimme. Anschließend an frühere Texte, die sich vor allem für die Möglichkeiten individueller Sinnproduktion interessierten, rahmt »Material und Geschichte« diese Momente als Beziehungsformen; als die Präsenzen einer zukünftigen Solidarität. Gespiegelt ist dies im Produktionskontext des Albums, das, wie üblich, eine kollektive Angelegenheit ist. Das Album versammelt mit Rabea Erradi (Die Heiterkeit, Sleep) am Saxofon, Sonja Deffner (Jason & Theodor, Die Heiterkeit) an Klarinette und Gesang sowie Andreas Spechtl an Gitarre und Gesang eine Reihe Kollaborateure, das Artwork stammt von den langjährigen Freunden Our Polite Society. Entstanden ist so ein Album freier Musik, das reifste und wichtigste Dokument einer immer auch zukünftigen Gemeinschaft.

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»The goal of the revolution,« it has been noted, »is the abolition of fear.« Any confidence for the future must be understood within the ramifications of a past that informs its potentialities, its doubts, and one’s capacity to act; it inserts itself into any projected action as the matter of time. What potential does popular music with its notorious obsession with the past hold for the imagination of future communities? And how can, in a most general sense, Pop help us think about this? In other words: What are the domains and possibilities of »political« art today?

These questions, as questions about the time and temporality of the political, are at the core of PTTRNS’ new album »Material und Geschichte,« produced with Andreas Spechtl (of Ja, Panik, among others) in a long Berlin summer in 2017. And in the spirit of the band’s previous work, these conceptual considerations are immersed in the musical realization. Over the course of the 47 minutes running time, the album submits, lyrically and conceptually, the outline of a pervasive futurity. On the record’s eight tracks, this futurity figures in three ways:

First, as the time of the performance—a time of the present that becomes indistinguishable from the future. This time of the event is marked in the physicality that has featured prominently on the band’s last efforts and has always made for their famously infectious live appearances: the jam-like, funky quality of their sound. Secondly, time is introduced as a time of repetition: an excessive time that itself comes from the future and, in its exceeding the material present, folds it back to its origin. This repetition, presented with equal attention to form and expressivity, invokes a tradition that has, somewhat unfortunately, been identified as »Krautrock.« Thirdly, time features on »Material und Geschichte« as a technological countertime, or Contretemps, as registered in a song title: This is the time of the producers’ intervention, the dub, which opens up in the record’s most free moments and, calling attention to the materiality of the record itself, marks the temporal suspension of the listener that always also is a possibility for action.

Lyrically, the collective that is PTTRNS speaks in a communal voice. Connecting to their previous work, which focused on the possibilities of individual instances of sense-making, »Material und Geschichte« frames these instances as ways of relating, as the presents of a future solidarity. This is mirrored in the production values of the record, which, as is usual for the band, is a communal effort. The record boasts a cast of notable collaborators in Rabea Erradi (Die Heiterkeit, Sleep) on saxophone, Sonja Deffner (Jason & Theodor, Die Heiterkeit) on clarinet and vocals, and Andreas Spechtl on vocals and guitar; the artwork is designed by long-time friends Our Polite Society. The result is the document of an ever-future collective: an album of free music, and the most mature and profound statement yet of a unique group.

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Date Country City Venue
Sep 22, 2018 DE Bielefeld Nr. z. P.