BLUSH ALWAYS

BLUSH ALWAYS

BLUSH ALWAYS

Mit ihrem Debüt-Album kommt die Leipziger Sängerin und Songschreiberin Blush Always genau zur richtigen Zeit. Das im September 2023 erscheinende „You Deserve Romance“ ist ein Self-Empowerment-Manifest mit krachenden Indie-Rock-Gitarren und unwiderstehlichen Melodien von bestechender Dringlichkeit.

In Anbetracht der spielerischen Leichtigkeit, mit der Blush Always auf ihrem Debütalbum „You Deserve Romance“ ihre Songs singt, spielt, performt, ja: bewohnt, will man nicht einen Moment lang glauben, dass diese Frau das alles angeblich erst seit knapp zwei Jahren macht: Gitarre spielen, dazu singen, mit einer Band auftreten. Auf ähnliche Weise wie Snail Mail, Soccer Mommy oder Beabadoobee hat Blush Always mit großer Pop-Sensibilität die Essenz aus der punkinspirierten Indie-Gitarrenmusik der vergangenen 40 Jahre destilliert. Die solchermaßen gewonnenen Erkenntnisse verhandelt sie auf „You Deserve Romance“ gänzlich neu – für ihre Zeit, aus der Perspektive ihrer Generation.

Und dennoch stimmt es: Blush Always spielt zwar seit ihrem vierten Lebensjahr Klavier, steht als Songschreiberin, Sängerin und Gitarristin aber noch ganz am Anfang ihres Weges. Im Rücken hat sie bislang lediglich eine Handvoll Konzerte und ihre im Frühjahr 2022 erschienene “Postpone EP”, die sie gemeinsam mit der Indie-Rockband Leoniden arrangiert und produziert hat. Deren Gitarrist Lennart Eicke hatte Blush Always auf einem ihrer frühen Kieler Konzerte gewissermaßen entdeckt.

Mit ihrem ersten Album kommt sie nun aber genau zur richtigen Zeit: Nachdem die Rockmusik sich eine Weile im kreativen Siechtum befand, hat sich in den vergangenen Jahren zunächst von der breiten Masse unbemerkt, schließlich immer deutlicher ein neues Indie-Rock-Movement formiert, das deutlich paritätischer aufgestellt ist als die Jungs-Szenen früherer Dekaden – und vielleicht auch deshalb so spannend. Soccer Mommy, Snail Mail, Wolf Alice, Idles, Fontaines D.C. – man könnte ewig so weitermachen.

Hierzulande blieb es diesbezüglich abgesehen von Ilgen-Nur bislang noch relativ still, auch deshalb ist es ein Segen, dass es nun Blush Always gibt. Den Titel ihres im September 2023 erscheinenden Debüts, „You Deserve Romance“, hat Blush Always aus Sally Rooneys aktuellem Buch „Schöne Welt, wo bist du?“. „Ich habe mich eine ganze Weile lang immer wieder auf merkwürdige, nicht unbedingt gesunde Beziehungen eingelassen“, sagt sie. „Durch die Lektüre dieses Buchs und weitere Analysen ist mir klar geworden, dass ein Grund für diese toxischen Beziehungen meine chronischen Selbstzweifel waren. Ich habe lange Zeit überhaupt nicht gedacht, dass ich mehr Zuneigung und Romantik als in diesen Beziehungen überhaupt verdient hätte.“

Nun steht der Satz also als eine Art Notiz an sich selbst auf dem Cover ihres ersten Albums, auf dem Blush Always durchaus verschiedene Aspekte moderner Paarbeziehungen beleuchtet. Die erste Single, „Virtual For You“, beschreibt etwa die suggerierte Nähe einer FaceTime-Beziehung und den damit einhergehenden Wunsch nach körperlicher Nähe. Es geht um die Frage, was Gefühle noch wert sind, wenn man sie nur noch über das Netz transportiert – und ob sich auf diese Weise überhaupt Romantik einstellen kann: „How strange life is lately/We coexist daily, I Just see your face on a screen/Forgot your smell but I don’t mind“, singt Blush Always.

Blush Always tauch ab in einen Sound aus grungigen Gitarren und lauten Hooks und verzaubert dabei mit facettenreich-emotionalen „Coming-of-Age“ Songs, wie der Name des zweiten Albumtracks auch lautet, die ob ihrer geradezu beiläufigen Ohrwurm-Qualitäten faszinieren und sich so wohltuend von all den Band absetzen, die Indie sein wollen, aber schon bei ihren ersten Auftritten wie Mainstream klingen. In der Hook heißt es: „They don’t know/What you’re going through babe/We’re coming of age/If we regret one thing it’s to be ashamed.”

So ist es: Blush Always ist mit diesem Album erwachsen geworden, indem sie ihre Träume bei den Hörnern gepackt und in wunderbare Melodien gegossen hat. Diese Songs umgarnen einen und nehmen einen Stück für Stück immer mehr gefangen, bis man gar nicht mehr ohne sie leben möchte. Es geht um Sehnsucht und um die Unerreichbarkeit von Dingen, um den süßen Zauber uneingelöster Versprechen. „But who is the you in your songs /I think you are the you in my songs“, singt sie in „Our Moans Would Echo“.

In “Oddly Romantic” zeigt sie, wie sich Verlieben anhören kann: „I’m weak in the knees/What an infinite tease/Music is a feeling.” Ein Song, der davon handelt, über Musik zueinander zu finden: „You say it’s oddly romantic/How I changed your algorithm.” Dazu passt, dass Blush Always mit einer ausgewiesenen Pop-Sensibilität komponiert und wirklich Songs schreiben kann, statt nur Melodien über Riffs zu legen. Man hört diesen Songs einfach an, dass sie keine Kopfgeburten sind, sondern direkt aus dem Bauch, der Seele, dem Herzen kommen.

Ein sogenanntes Riot Grrrl ist Blush Always indes nicht, dafür ist sie zu lässig und zu nonchalant, wenn überhaupt, verdankt dieses Album den Breeders oder Fiona Apple deutlich mehr als etwa Bikini Kill oder Hole. Blush Always vermischt Lakonie mit beseelter Hingabe und erzielt so genau jenen emotionalen Widerspruch, dem ihre Musik verpflichtet ist. Das Besondere an diesem Album ist aber nicht zuletzt, wie souverän sich Blush Always auf die Kraft ihrer Stimme und ihres mitreißenden Spiels verlässt. Zu keinem Zeitpunkt erliegt sie auf dem von Magnus Wichmann produzierten „You Deserve Romance“ der Versuchung, diese Songs zu überkleistern und ihnen durch den übertriebenen Einsatz von Produktionsmitteln ihre Kraft zu nehmen.

In „Your Call“, ein wuchtig-dynamischer, vor Spielfreude sprühender Song, zeigt sich nochmals ihre Liebe zum Indie-Rock mit 90er-Jahre-Flair und klingt dabei ungleich ursprünglicher und krachiger als andere ähnlich inspirierte Künstlerinnen, die weniger Mut zur Soundwand zeigen.

Das Album hat viele Facetten, Indie-Rock ist nur die Basis: „Divers“, eine Referenz an Joanna Newsom, ist eine gespenstisch schöne Ballade, die Blush Always zunächst nur mit der Gitarre begleitet und mit sich selbst in einem bestürzend schönen Chor singt. Erst dann kommen Bass und Schlagzeug dazu und der Song morpht kurz in einen wehmütigen Alternative-Smasher. Auch „Blue“ beginnt mit akustischen Gitarren und ist von nahezu bedrückender Intensität. In solchen Momenten scheint Blush Always im selben Raum zu sitzen wie man selbst, ehe sie mit dem nächsten Refrain zuverlässig in höhere Sphären entschwebt.

Blush Always ist einen weiten Weg gegangen, um diese Songs genau so schreiben, aufnehmen und auf die Bühne bringen zu können. Aber manchmal ist sie am liebsten einfach nur zu Hause, weshalb es auch dazu einen Song gibt: „At Home“. „Ich sitze nun mal oft lieber allein zuhause und träume, statt auszugehen“, sagt sie. Zum Beispiel von einer weniger toxischen Beziehung, in der sie dann aber nicht beim Pärchenabend auf dem Sofa sitzt und Netflix schaut, sondern lieber einen Song schreibt, in dem sie dem Geliebten die Flügel ausreißt: „I’d rather write a song and rip out both your wings“, singt sie.

Wenn der Typ dann ohne Flügel so in ihrer Wohnung sitzt, dürfte es demnächst durchaus einsam werden: Im Herbst geht Blush Always auf ihre erste eigene Tournee, nachdem im September „You Deserve Romance“ erscheint. Dort wird man einer Musikerin begegnen, die auch zwischen den Songs durch eine Mischung aus typisch norddeutscher Reserviertheit, charmanter Schüchternheit, die sich auch im Bandnamen widerspiegelt und einer schwer in Worte zu fassenden Lässigkeit immer den richtigen Ton findet und dabei genauso wirkt wie ihre Musik: Ehrlich, unverstellt, echt!

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With her full-length debut album, Leipzig-based singer-songwriter Blush Always has come along at the right time. Arriving in September 2023, You Deserve Romance is a self-empowerment manifesto with crashing indie rock guitars and irresistible melodies of captivating urgency.

Considering the playful ease that Blush Always injects into her songs on her debut album You Deserve Romance, you wouldn’t believe for a moment that this woman has only been writing songs on her guitar and performing them for barely two years. In much the same way as Snail Mail, Soccer Mommy or Beabadoobee, Blush Always has distilled the essence of punk-inspired indie guitar music of the past 40 years with great pop sensibility. On You Deserve Romance she renegotiates the insights gained in this way entirely - for her era, from the perspective of her generation.

And yet it's true: Blush Always has been playing the piano since she was four years old, but she is still at the very beginning of her career as a songwriter, singer and guitarist. So far, there have been only a handful of concerts and her Postpone EP, released in spring 2022. The EP was arranged and produced together with German indie rock band Leoniden, whose guitarist Lennart Eicke had discovered Blush Always at one of her early Kiel concerts.

With her first album, however, she now arrives at the right time: following a period of creative languor in rock music, a new indie rock movement has formed in recent years, at first unnoticed by the mainstream, but gradually more clearly, in a more parity-oriented form than the boys' scenes of earlier decades. And perhaps that's why it's so exciting: Soccer Mommy, Snail Mail, Wolf Alice, Idles, Fontaines D.C. - one could go on forever.

In Germany, apart from Ilgen-Nur, things have remained relatively quiet in this respect -another reason why it is a blessing that Blush Always now exists. Blush Always took the title of her debut You Deserve Romance from Sally Rooney's recent book "Beautiful World, Where Are You?". "For quite a while, I kept getting involved in strange, not necessarily healthy relationships," she says. "Through reading this book and further analysis, I realized that one reason for staying in these toxic relationships was my chronic self-doubt. For a long time, I didn't think I deserved any more affection or romance than I had in those relationships in the first place."

So now the sentence is written on the cover of her first album as a note to self. In fact, Blush Always sheds light on various aspects of modern couple relationships. The first single Virtual For You, for example, describes the suggested closeness of a FaceTime relationship and the accompanying desire for physical closeness. It's about the question of what feelings are worth when they're only transported via the internet, and whether romance can develop at all in this way: "How strange life is lately/We coexist daily, I/Just see your face on a screen/Forgot your smell but I don't mind," sings Blush Always.

Blush Always dives into a sound of grungy guitars and loud hooks, enchanting with multifaceted-emotional Coming of Age songs, as the name of the second album track is even called. They fascinate because of their effortless earworm qualities and thus pleasantly set themselves apart from all the bands that want to be indie, but sound like mainstream. In the hook she sings: “They don’t know/What you’re going through babe/We’re coming of age/If we regret one thing it’s to be ashamed.

Taking her dreams in her own hands and pouring them into wonderful melodies, Blush Always sets herself free with this album. The songs suck you in further and further until you don't want to live without them. It's a collection of songs about longing and the unattainability of things, about the sweet magic of unfulfilled promises. "But who is the you in your songs /I think you are the you in my songs," she sings in Our Moans Would Echo.

In Oddly Romantic she shows what falling in love can sound like: “I’m weak in the knees/What an infinite tease/ Music is a feeling.” A song about finding each other through music: “You say it’s oddly romantic/How I changed your algorithm.” It fits that Blush Always composes with a proven pop sensibility and really knows how to write songs instead of just layering melodies over riffs. You can just hear in these songs that they are not creatures of the mind, but come directly from the gut, the heart and the soul.

A so-called Riot Grrrl, however, Blush Always is not - for that she is too casual and too nonchalant. If anything, the album owes much more to the Breeders or Fiona Apple than, say, Bikini Kill or Hole. Blush Always mixes terseness with soulful abandon, achieving exactly the emotional contradiction to which her music is committed. The special thing about this album, however, is how confidently Blush Always relies on the power of her voice and her stirring playing. At no point does You Deserve Romance, produced by Magnus Wichmann, succumb to the temptation to over-glamorize these songs and take away their power through an excessive use of production tools.

“Your Call”, a massive, dynamic song bursting with playfulness, once again shows her love for indie rock with a ‘90s flair, but sounding more raw and noisy than other similarly inspired artists who show less courage to create walls of sound.

The album has many facets, indie rock is only the basis: Divers, a reference to Joanna Newsom, is a hauntingly beautiful ballad that Blush Always initially accompanies only with guitar and sings with herself in a startlingly beautiful choir. Only when bass and drums join in, the song briefly morphs into a wistful alternative banger. Blue also begins with acoustic guitars and has an almost oppressive intensity. In moments like these, Blush Always seems to sit in the same room as you, before reliably floating off into higher realms with the next chorus.

Blush Always has come a long way to be able to write, record and perform these songs as they are now. But sometimes she prefers to just be at home, which is why there's a song about that, too: At Home. "I often find myself just staying home, daydreaming about something" she says. For example, she rather writes another song than go out, in which she rips out the wings of her lover: "I'd rather write a song and rip out both your wings," she sings.

If the lover then sits in her apartment without wings, it might get quite lonely in the near future: In fall, Blush Always goes on her first own tour, after You Deserve Romance will be released in September 2023. There you will meet a musician who always finds the right tone, even in between songs. Through a mixture of her typical North German reserve, charming shyness and a nonchalance that’s difficult to put into words, she comes across just like her music: honest, undisguised, genuine!

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PRESS PHOTOS


by Hannes M. Meier

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Date Country City Venue
01.08.24 - 03.08.24 DE Elend bei Sorge Rocken am Brocken